Start der Spendenkampagne

Was wir als Projekt vor Ort in Raja Ampat, Indonesien, umsetzen möchten, wird eine ganze Menge Geld kosten – selbst wenn wir erst einmal “nur” einen Testlauf planen, um zu erkunden, ob es überhaupt eine entsprechende Nachfrage nach biologisch verträglichen Shampoo und Sonnenschutz gibt. Die Ausgaben entstehen beim Aufbau lokaler Strukturen (u. a. Eintragung einer Stiftung nach indonesischem Recht; Yayasan), der Produktion von Material zur Information über die von herkömmlichen Kosmetika ausgehenden Gefahren für die tropischen Korallengärten sowie der Vorkasse bspw. für die Rash Guards (Schutzkleidung für das Wasser) – mehr zu den erwarteten Kosten hier. Um Spenden einzuwerben, haben wir daher in den Druck von Flyern im Postkarten-Format investiert, die wir hier und da auslegen und so um Spenden werben möchten. Als gemeinnütziger Verein sind wir berechtigt, eine Bestätigung über Geldzuwendungen im Sinne von §10 des Einkommenssteuergesetzes auszustellen – mit anderen Worten: Spenden an den Reef Guardian e. V. sind steuerlich absetzbar. Also?

Rechtliches was wir beachten müssen

Mit zwei rechtlichen Fragen mussten wir uns in den letzten Wochen beschäftigen: Wie können wir in Deutschland gesammelte Spenden nach Indonesien transferieren und dort ausgeben? Und wie können wir die Bio-Kosmetika unseres Partners aus Florida nach Indonesien bringen? Ohne Beachtung der indonesischen Rechtsvorschriften kann beides leicht schief gehen – sowohl mit Blick auf unsere Gemeinnützigkeit in Deutschland als auch den indonesischen Zoll.

Um Spenden aus Deutschland in Indonesien einsetzen zu können, braucht es auf der anderen Seite eine Rechtspersönlichkeit, um die Spenden annehmen und zweckgebunden ausgeben zu können. Zur Wahl stehen dabei einerseits die Rechtsform einer “Perseroan Terbatas” (haftungsbeschränkte Gesellschaft; kurz PT, entspricht am ehesten einer britischen Limited) und einer “Yayasan” (Stiftung, jedoch eher vergleichbar mit einem deutschen Verein). Bei beiden wird zwischen in- und ausländischen Eigentümern unterschieden, wobei eine internationale Beteiligung die notwendige Kapitaleinlage mindestens verzehnfacht. Die PT ist in Indonesien die gängigste Rechtsform für alle kommerziellen Aktivitäten, während eine Yayasan hinsichtlich ihrer gemeinnützigen Tätigkeit kontrolliert wird und daher gemeinhin eine höhere Anerkennung für ihr Gemeinwohlengagement genießt. Interessante Besonderheit ist, dass unter dem Dach einer Yayasan auch eine PT gegründet werden kann. Da unser Ziel ist, von Deutschland aus ein lokal agierendes autonomes soziales Unternehmen zu etablieren, scheint uns die Gründung einer inländisch geführten Yayasan für unsere Zwecke als beste Lösung, die wir so mit unseren lokalen Partnern in Indonesien umsetzen möchten.
Zweite rechtliche Baustelle ist die Beantragung einer Importlizenz, um den indonesischen Zoll abwickeln zu können. Hierfür ist jedoch eine PT notwendig – oder die Einschaltung eines Zwischenhändlers, dessen Impoertlizenz “beliehen” werden kann. Es gibt sogar Firmen, die genau diese Dienstleistung kommerziell anbieten. Kurzfristig hoffen wir, mit Hilfe unserer lokalen Partner ohne eigene Importlizenz die Einfuhr realisieren zu können. Langfristig wäre es jedoch sinnvoller, unter dem Dach der Yayasan eine PT zu schaffen, die dann eine eigene Importlizenz beantragt.

Wir backen Dadar Gulung

Wir haben mal überschlagen, was wir an finanziellen Mitteln brauchen, um unser Projekt in Form einer Testphase anzuschieben. Da kommt einiges an Ausgaben zusammen. Oder mit anderen Worten: Wir benötigen Geld! Daher möchten wir in den nächsten Wochen um Spenden werben. Uns ist dabei bewusst, dass wir als noch sehr junger Verein ohne schöne Fotos von unseren bisherigen Aktivitäten im Gegenzug über eine bei der Steuererklärung absetzbare Bescheinigung nicht viel bieten können. Daher möchten wir diejenigen, die uns mit mindestens 50 Euro unterstützen zu einem Benefiz-Dinner einladen. Dort tischen wir landestypische Speisen auf und füllen die Pausen zwischen den Gängen mit kleinen Vorträgen über tropische Korallen, Land und Leute in Papua sowie natürlich unseren Vereinsaktivitäten auf. Die Zubereitung der Nachspeise, Dadar Gulung, haben wir dafür neulich schon mal geübt und selbst gekostet. Die grüne Farbe erhalten die mit Kokos gefüllten Pfannkuchen übrigens von Padanusblättern. Maantap (zu Deutsch: Lecker)!

Mehr über unseren Spendenaufruf gibt es hier.

Sonnenschutz II – Korallenfreundlicher Sonnenschutz

Seit September 2020 arbeiten wir in unserem Projekt mit Stream2Sea aus Florida zusammen. Im Videochat erfuhren wir, dass die größte Bedrohung für Korallen nicht von Shampoo sondern von Sonnenschutzmitteln ausgeht – und es hierfür neben Rash guards noch eine weitere Lösung gibt. Der Reihe nach: Geschätzt 10.000 Tonnen Sonnencreme werden jährlich von Badenden aufgetragen und im Wasser abgewaschen. Eine unglaubliche Menge! Herkömmliche Sonnenschutzcremes sind für viele Meereslebewesen toxisch und tragen zur Korallenbleiche bei. Schuld daran ist das enthaltene Benzophenone-3, ein chemischer UV-Filter, der auch als Oxybenzone bekannt ist. Darüber hinaus enthalten die meisten Sonnenschutzmittel Silikon-basierte Bestandteile, die nur schwer im Wasser abgebaut werden können. Einfach einen Rash guard im Wasser überziehen ist natürlich nach wie vor die einfachste Lösung – die Kleidung schützt zugleich vor unangenehmen Begegnungen mit Quallen und ähnlichem.

Stream2Sea hat eine Sonnencreme entwickelt, die biologisch abbaubar ist und auch aufwendig auf die Korallenverträglichkeit hin getestet wurde. Da Rash guards nicht alle begeistern werden, möchten wir unser Projekt um die Einfuhr dieses Sonnenschutzmittels ergänzen. Leider ist hier der Herstellungsprozess so aufwendig, dass die Vision einer späteren lokalen Produktion hier nicht in Frage kommt. Daher möchten wir das Sonnenschutzmittel vor allem den Betreibern von Liveaboards und Ressorts nahe bringen, mit deren Unterstützung wir zugleich für ein Verbot herkömmlicher Sonnenschutzmittel werben möchten. In Deutschland eingeworbene Spenden hätten so einen doppelten Nutzen: Korallenfreundlicher Sonnenschutz wird lokal im Meeresschutzgebiet erhältlich und toxische herkömmliche Produkte werden langfristig verdrängt.

Sonnenschutz I – Rash guards aus Bandung

Bei unserer Recherche nach wassertauglicher Kleidung sind wir auf die Firma Tiento aus Bandung (Java) gestoßen. Der Sportartikelhersteller hat verschiedene Rash guards und Wetsuits im Angebot, die aus elastischem Material (Nylon, Polyester, Spandex) hergestellt werden und auch mit unserem Schriftzug bedruckbar sind. Da es sich um einen indonesischen Hersteller handelt, würden wir gleichzeitig die einheimische Wirtschaft fördern, was uns ein weiteres Anliegen ist. Die Firma rüstet mehrere indonesische Sportlerinnen und Sportler aus. In unserem Projekt möchten wir wasserfeste Kleidung von Tiento vor Ort in Raja Ampat als Alternative zu Sonnenschutzmitteln anpreisen – gleichzeitig einen Schriftzug wählen, der auch daheim die Erinnerung an die Korallenwelt des Meeresschutzgebietes wach hält.