Neues Kleinprojekt als Wegbereiter


Unsere Projektpartner vor Ort in Raja Ampat haben uns auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, dass aufgrund des Ausbleibens touristischer Gäste viele Menschen ohne Einkommen sind. Dadurch steigt der Druck, sich durch – mitunter illegalen – Fischfang ein Einkommen zu erwirtschaften, was die maritime Fauna bedroht und somit auch dem späteren Tourismus die Grundlage entzieht. Gemeinsam haben wir daher ein kleines Projekt auf den Weg gebracht, um die Menschen in den Dörfern Raja Ampats dabei zu unterstützen, ein Einkommen jenseits von Tourismus und kommerziellen Fischfang aufzubauen. Mehr dazu hier.
Das Kleinprojekt ist dabei mehr als nur eine Brückenprojekt. Zu den unterstützten Tätigkeiten gehört die Extraktion von Kokosnussöl, also ein wichtiger Grundstoff für eine lokale Produktion von biologisch abbaubaren Shampoo oder Seifen. So greift ein Baustein in den anderen, da wir so auch die Grundlagen für das langfristig angelegte größere Projekt schaffen. 

Wichtiger Meilenstein erreicht – nächste Herausforderung wartet

In den letzten Wochen und Monaten hatten wir oft das Gefühl, uns etwas im Kreis zu drehen, da viele unserer Partner mit anderen – teils existenziellen – Fragen beschäftigt waren und wir dadurch nicht vorankamen. Umso mehr freut uns jetzt, dass wir einen wichtigen Meilenstein erreicht haben: Mit Stream2Sea haben wir die Konditionen vereinbart, zu denen wir die für unsere Pilotphase benötigten Kosmetika erhalten (Shampoo/Duschgel sowie Sonnencrème). Diese stehen ab sofort für uns bereit und sind Dank eines großzügigen Entgegenkommens unseres Partners mehr als nur erschwinglich für unseren Verein. Unsere nächste Herausforderung wird nun sein, den Import nach Indonesien zu organisieren. Da es sich nicht um eine alltägliche Menge für den Privatgebrauch handelt, muss der Import angemeldet werden, um nicht monatelang beim indonesischen Zoll festzuhängen. Die Bedingungen zum Erhalt einer Importlizenz haben sich in Indonesien seit Jahresbeginn 2021 zwar deutlich vereinfacht, aber somit auch geändert. Gleichzeitig ist der internationale Warenverkehr von und nach Indonesien aufgrund der Pandemie nach wie vor eingeschränkt. Da aber aktuell eine partielle Öffnung für den internationalen Tourismus ab Juli 2021 erwägt wird (allerdings ist hier Raja Ampat voraussichtlich nicht dabei), hoffen wir auf eine zügige Lösung.

Austausch mit dem ZMT Bremen

Die trägen Wochen im Frühjahr, in denen wir verzweifelt auf gute Nachrichten hinsichtlich eines Endes der Pandemie gewartet haben, nutzten wir, um uns weiter zu vernetzen. Sehr gefreut hat uns, dass wir beim Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) ein offenes Ohr gefunden haben. Das ZMT ist in Deutschland das führende Forschungsinstitut hinsichtlich tropischer Korallenriffe und führt weltweit Forschungsprojekte durch, aktuell zum Beispiel auf Gili Trawangan, einer kleinen bei Rucksacktouristen beliebten Insel nördlich von Lombok, also in der Nähe von Bali. Vom ZMT erfuhren wir ein paar Details zum Projekt, insbesondere hinsichtlich der wissenschaftlichen Validierung, und erhielten umgekehrt Feedback zu unserem Vorhaben in Raja Ampat. Das ZTM hat uns sehr ermutigt, unseren Weg weiter zu beschreiten und zugesagt, uns auch in Zukunft mit Feedback zu unterstützen, was für uns sehr wertvoll ist.

Kooperation mit Universitas Padjadjaran

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir für unser Projekt in Raja Ampat die Universitas Padjadjaran (UNPAD) aus Bandung gewinnen konnten. Konkret werden wir dort mit der Fakultät für Meereswissenschaften zusammenarbeiten. Dank der Kooperation soll uns gelingen, dass wir bei unserer künftigen Arbeit vor Ort sowohl sprachlich als auch wissenschaftlich korrekte Informationen kommunizieren und gleichzeitig den inländischen Markt für ökologisch abbaubare Kosmetika im Auge behalten. Darüber hinaus wird die Universität neueste Forschungsergebnisse mit uns teilen und dazu beitragen, unseren Ansatz über Raja Ampat hinaus auch in andere Regionen Indonesiens mit sensiblen Korallenriffen (zum Beispiel Komodo) zu tragen. In den nächsten Monaten werden wir dazu regelmäßig an Online-Workshops mit der Universität teilnehmen.

Ngapain apa?

..ist Indonesisch und bedeutet so viel wie “Was machst Du/machen Sie gerade?”. Leider kommen wir im neuen Jahr bislang nicht so voran, wie wir uns das gewünscht haben. Der Lockdown bremst uns leider etwas aus. Die Zeit nutzen unsere zwei deutschen Vorstände, ihre Indonesisch-Kenntnisse aufzubessern. Die neuen Kenntnisse setzen wir auch gleich ein und chatten fleißig mit unseren Kontaktpersonen vor Ort.

Touristisch ist in Raja Ampat aktuell eine ziemliche Ruhe. Da internationale Gäste nach wie vor nicht in Indonesien einreisen dürfen, können nur inländische Gäste das Naturparadies besuchen. Da der Weg nach Raja Ampat auch für die meister Indonesier recht weit ist, bleibt die Anzahl der Gäste sehr niedrig. Die meisten Dörfer sind jedoch nicht vom Tourismus abhängig. Große Ausfälle an Einnahmen gibt es natürlich bei den Homestays, den Ressorts, den Anbietern von Bootstouren und -transfers. Hier mussten sich viele Menschen neue Einkommen erschließen. Ein Tourguide berichetete uns beispielsweise von seiner Arbeit als Lehrer in den entlegenen Dörfern.

Quo vadis 2021?

Selamat tahun baru – frohes neues Jahr! Leider fängt das neue Jahr dort an, wo das alte aufgehört – die Covid-19-Pandemie hält die Welt weiterin Atem bzw. auf Abstand. Seit Jahresbeginn 2021 hat Indonesien alle internationalen Flüge suspendiert, gleichzeitig füllen sich auch dort die Krankenhäuser. Eine Wiederöffnung des Landes für internationalen Tourismus scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Umso freuen wir uns, dass wir weiterhin mit Partnern vor Ort in Sorong bzw. Raja Ampat im Austausch stehen und weder wir noch sie das Projekt außer Augen verlieren.

Mutig haben wir auch schon mal kalkuliert, mit welchen Mengen an Bio-Kosmetika wir die Testphase bestreiten wollen, um die Transportwege und Zollverfahren jetzt schon zu klären – bzw. den Finanzierungsbedarf realistisch einschätzen zu können.

Zwischenfazit vor Weihnachten

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr. Die Pandemie hielt uns ebenso wie unsere Partner in Indonesien in Atem. Dankbar waren vielleicht die Korallenriffe und ihre Bewohner, die in diesem Jahr viele ungestörte Tage erlebten. Auch die Schadstoffbelastung beispielsweise durch toxische Sonnencreme dürfte in diesem Jahr insbesondere im für internationalen Tourismus gesperrten Indonesien stark zurückgegangen sein.

Geht es der Natur ohne Tourismus besser? Nein, so einfach ist das nicht. Gerade in Raja Ampat finanziert der Tourismus viele Projekte zum Schutz der Meere. Das dortige Meeresschutzgebiet wird von Einheimischen auch deshalb respektiert und aktiv geschützt, weil es Jobs und Einkünfte generiert. Bleiben diese zu lange aus, locken die Schätze des Meeres. Viele heutige Schutzgebiete in Indonesien hatten lange Zeit mit Dynamitfischen zu kämpfen – eine Praxis die nicht nur mit Verboten sondern auch mit Alternativen des Geldverdienens zu verhindern ist. Tourismus umweltschonend zu gestalten, ist uns daher ein wichtiges Anliegen. Daher wollen wir mit unserem Projekt startklar sein, wenn der internationale Tourismus wieder anfährt.

Was haben wir in den vergangenen Monaten erreicht? Begonnen haben wir mit der Projektarbeit Ende August, nachdem die Formalitäten zur Eintragung unseres Vereins abgeschlossen waren. Seit dem haben wir uns mit vielen Initiativen aus Deutschland und Indonesien vernetzt. Wir haben unser Projekt ein großen Anzahl von Akteuren in Raja Ampat vorgestellt und Partner für die Umsetzung gefunden. Und es ist uns trotz Pandemie-bedingter Einschränkungen gelungen, Spenden für den Start des Projektes zu sammeln.

Erste große Aufgabe im neuen Jahr wird der Aufbau unserer Logistikkette sein, um die vorgesehene Pilotphase in Gang zu setzen. Da wir vor Ort auch eine Person bezahlen möchten, um den Verkauf und Nachschub zu organisieren, werden wir weiter um Spenden werben.

Liveaboards als Korallenschützer?!

Die nächste Aufgabe unserer Vorrecherche war eine Abfrage unter den Liveaboards hinsichtlich ihrer Angebote bzw. ihres Bedarfs an biologisch abbaubaren Kosmetika. Wir selbst waren auf einem Liveaboard für eine Woche in Raja Ampat unterwegs, dessen Abwässer direkt ins Meer geleitet werden. Allerdings war unser Liveaboard auf Schnorchel-Touren spezialisiert und eher im unteren Preissegment zu finden. Unsere Recherche führte uns zu mehr als 40 (!) Schiffen, die Mehrtagestouren in die Gewässer von Raja Ampat anbieten. Angeschrieben haben wir alle, geantwortet haben nur wenige, was wir angesichts des Stillstands des internationalen Tourismus in Indonesien nicht anders erwartet hatten. Insbesondere die Liveabords, die mehrtägige Tauchtouren anbieten (ab 150 Euro pro Person und Tag aufwärts), halten an Bord für ihre Gäste biologisch abbaubare Kosmetika bereit. Tatsächlich scheinen Taucher*innen, die viel Geld dafür ausgeben, die natürlichen Schönheiten unter Wasser aus der Nähe zu sehen, für die Umweltauswirkungen herkömmlicher Kosmetika bereits weitgehend sensibilisiert zu sein. Die meisten Liveaboards bieten Touren nicht nur in Raja Ampat sondern auch im Komodo-Nationalpark von Flores an und können so via Bali, wo auch wir biologisch abbaubare Kosmetika im Laden fanden, für ihren Nachschub sorgen. Für unser Projekt sind Liveaboards kurzfristig somit keine wichtige Zielgruppe. Sollte es uns in Phase 2 gelingen, zumindest für Shampoo/Duschgel eine lokale Produktion zu initiieren, wären viele Anbieter interessiert – aber bis dahin ist es noch ein ganz weiter Weg. In unserer Pilotphase sollten und möchten wir als auf Individualtouristen fokussieren, die zum Baden und Schnorcheln nach Raja Ampat kommen und nicht auf den recht kostenintensiven Liveaboards nächtigen.

Was sagen die Ressorts zu unserer Idee?

Bei unseren Recherchen haben wir mehr als 30 Ressorts ausfindig gemacht, die zusätzlich zu den Homestays in der Inselwelt von Raja Ampat existieren. Aufgrund der Corona-Pandemie, die Indonesien auch wirtschaftlich stark trifft (zum Beispiel dürfen seit April 2020 und mindestens bis Ende 2020 keine ausländischen Touristen einreisen), sind aktuell viele der Ressorts geschlossen. Wir wollten trotzdem gern wissen, was sie von unserem Projekt halten, ob sie bereits ökologisch abbaubare Kosmetikprodukte anbieten und inwieweit sie an einer Kooperation interessiert sind.

Insbesondere die Ressorts, die sich auf den Tauchsport spezialisiert haben und vornehmlich zahlungskräftige Gäste anziehen, halten bereits heute entsprechende Alternativen bereit und sensibilisieren ihre Gäste für die Folgen für Korallen, wenn sie vor dem Baden Sonnenscreme auftragen. Das Papua Explorers Dive Resort bietet darüber hinaus auch Rash Guards an. Die Öko-Kosmetika wird dabei aus Bali importiert, wo wir auch bei unseren Recherchen bereits Händler ausfindig gemacht haben – wobei dahinter dem Anschein nach auch eher Firmen aus den USA bzw. Australien stehen. Daher wäre es für die Ressorts natürlich interessant, wenn vor Ort eine Produktion für biologisch abbaubare Seifen aufgebaut werden könnte, da der “Import” aus Bali vergleichsweise kostenintensiv ist und so lokal mehr Einheimische vom Tourismus profitieren würden.

Als nächstes haben wir uns vorgenommen, die in Raja Ampat regelmäßig verkehrenden Liveaboards zu recherchieren und ihnen ebenfalls unsere Idee vorzustellen. Danach wollen wir unsere Kalkulation präzisieren, wie viel “Material” wir für eine Pilotphase nach Wiederanlaufen des internationalen Tourismus benötigen.

Start der Spendenkampagne

Was wir als Projekt vor Ort in Raja Ampat, Indonesien, umsetzen möchten, wird eine ganze Menge Geld kosten – selbst wenn wir erst einmal “nur” einen Testlauf planen, um zu erkunden, ob es überhaupt eine entsprechende Nachfrage nach biologisch verträglichen Shampoo und Sonnenschutz gibt. Die Ausgaben entstehen beim Aufbau lokaler Strukturen (u. a. Eintragung einer Stiftung nach indonesischem Recht; Yayasan), der Produktion von Material zur Information über die von herkömmlichen Kosmetika ausgehenden Gefahren für die tropischen Korallengärten sowie der Vorkasse bspw. für die Rash Guards (Schutzkleidung für das Wasser) – mehr zu den erwarteten Kosten hier. Um Spenden einzuwerben, haben wir daher in den Druck von Flyern im Postkarten-Format investiert, die wir hier und da auslegen und so um Spenden werben möchten. Als gemeinnütziger Verein sind wir berechtigt, eine Bestätigung über Geldzuwendungen im Sinne von §10 des Einkommenssteuergesetzes auszustellen – mit anderen Worten: Spenden an den Reef Guardian e. V. sind steuerlich absetzbar. Also?